Die Traumhölzer und ich

Meine Ideen bei der künstlerischen Umsetzung und Gestaltung der Holzbearbeitung ziehe ich aus dem Werkstoff selbst. Die Natur malt für mich, und diese berührende Botschaft weckt in mir den Wunsch, der Sprache des Baumes nachzuspüren und ins Außen zu transportieren.

Wenn das Holz in seine Gestalt drängt, verstehe ich mich als Spiegel und unterstütze so die Kernholznatur beim Transfer in ihre plastischen-künstlerischen Gestalt. Die Bearbeitung zu ausdrucksstarken und phantasievollen Wandreliefs, Skulpturen, Bildern und Werkstücken setzt meine innere Befindlichkeit ins Außen um. Durch meine dazu passenden Texte gebe ich der weiblichen Interpretation von Holz gefühlten Raum. Nur so führt die Holzkunst für mich zu einer Einheit von Form und Seele.

Ich sehe Kernholz als Transfer der „inneren Schönheit“, wenn die Spuren der Vergänglichkeit aus dem Verborgenen hervortreten, um am Ende zeitlos als Emotion weiter zu leben, obwohl der Baum gefällt wurde. In meinen Lebensabschnitt – der ALTERnativen Phase – gehört dies zu mir. Es entstehen Traumbilder und Skulpturen, die mich mit meinen Gefühlen in Kontakt bringen und auffordern, den „Augen-Blick“ zu leben.

Bei der Entdeckungsreise und der Umsetzung gelingt es mir, meine Sinne zu schärfen für verborgene, erwachende Schönheiten, die niemand unter der Rinde vermutet hätte. Eine Symbiose von gegenseitigem Geben und Nehmen, eine Unvergänglichkeit, die Kraft verleiht, immer neue Objekte zu schaffen.

Ich trete in Dialog mit einem Material, das erst durch bewusstes Sehen einer Vielfalt an Motiven unendlichen Raum gibt, und die Interpretation der freigelegten Strukturen in der Wahrnehmung des Betrachters liegt. Damit lade ich auch gleichzeitig ein zu einer Phantasiereise in die Welt der „Traumhölzer“.

Ulrike Mühlich

Ulrike-Muehlich