Kunst, die berührt – Schwarzwälder-Bote

Ulrike Mühlich stellt Holzkunstwerke und Poesie in der Kreissparkasse Rottweil aus

Von Nadine Reiband

Rottweil/Zimmern. Das Drehbuch des Lebens sieht für jeden Menschen seine eigene Rolle vor. Doch die wesentlichen Dinge widerfahren mehr oder minder jedem. In „Traumhözer-Sequenzen“ festgehalten zeigt Ulrike Mühlich aus Zimmern ihren Blick auf und in das Leben. Die Ausstellung im Foyer der Kreissparkasse Rottweil in der Königstrasse 44 dauert vom 27. Dezember bis 18. Januar.

Mit allen Sinnen kann man durch die kleine Ausstellung im Foyer gehen. Es riecht nach Holz, es fühlt sich ganz weich an und es beeindruckt Augen und Herzen: Zu jedem der über 30 Kunstwerke aus Holz hat die Künstlerin ihre persönlichen Assoziationen in Form von Gedichten dazu gestellt. Dabei lässt sie keines der Lebensthemen aus: Von Geburt und Neuanfang bis zur Liebe, dem Abschied und der Trauer: „Im Leben geht es doch immer wieder um Loslassen und neu anfangen“, sagt Ulrike Mühlich. Die Ausstellung zeigt Lebendigkeit und zyklische Wiederkehr: Am Ende steht nicht der Tod, sondern der Höhenflug. Die Traumhölzer sind freilich die Wortverstärker. Dabei sind die Worte selbst schon sehr stark und prägnant: in kurzen und ausdrucksstarken Kombinationen stellt die Künstlerin ihre Worte dem Gegenüber zur Verfügung. Die Kombination von Worten und Holz verschmilzt zu einer Kunst, die berührt. Die Berührung findet auf einer feinen, nicht greifbaren, mag sein seelischen Ebene statt. Raum zum Nachfühlen entsteht von Werk zu Werk, das Drehbuch des Lebens gibt auch Raum zum Atmen.

Ulrike Mühlich arbeitet seit Jahren mit dem Medium Holz und Wort. Sie sucht und findet mit dem richtigen Augen-Blick die richtigen Hölzer. Esche, Kastanie , Pappel oder Kirsche: Mit geduldsamer Akribie holt Ulrike Mühlich mit Werkzeug und feinen Ölen die Lebendigkeit aus dem Holz heraus: Es zeigen sich Körper und Begegnungen. Es zeigt sich das Leben.

Schön ist die Ganzheitlichkeit, mit der Ulrike Mühlich ihre Kunst gestaltet. Im wahrsten Sinne des Wortes ist es eine Kunst, die berührt (werden will).

29.12.2012, Schwarzwälder-Bote